Vieles in der Welt ist unvorhersehbar und ungewiss. Vor allem die Zukunft.
Bist du dir dessen bewusst, dass es so ist? Und bemerkst du, dass du – wie viele Menschen – trotzdem immer wieder versuchst, die Zukunft zu planen, vielleicht sogar zu kontrollieren?

Es ist kein Problem zu träumen, und natürlich kannst du Verabredungen treffen und Pläne schmieden. Du kannst zum Beispiel sagen: „Wenn nichts anderes sein wird, dann möchte ich nächsten Sommer dieses und jenes tun…“. Bedenke dabei nur: Wie nah oder fern deine Vorstellungen auch sein mögen, die Zukunft ist noch nicht geboren, und was du in Wirklichkeit erlebst, findet HIER UND JETZT statt. Und leider wird oft gerade dieses, was hier und jetzt ist, von Gedanken über die Zukunft oder Vergangenheit verdeckt. Erkennst du das wieder, dass du mit deinen Gedanken im Kopf bist und durch die Zeit fliegst, anstatt ganz anwesend zu sein – in deinem Körper und in deinen Sinnen?

Wenn du herausfinden möchtest, wie du neugierig und anwesend sein kannst im gegenwärtigen Moment, in dir selbst, und wenn du lernen willst, wie du mit der Ungewissheit und Unvorhersehbarkeit leben und offen sein kannst für das Zukünftige, das dort hineinkommt, dann lies gerne weiter.

Die erste Perspektive des Zukunftstheaters ist der Ausgangspunkt und das Ergebnis einer langjährigen Forschung in unterschiedlichen Pilotgruppen und Projekten, in denen ich beobachtet und erprobt habe, wie Menschen individuell und als Gruppe etwas entwickeln können, von dem sie vorher nicht wissen, was es sein wird.

Ein leerer Raum füllt sich augenblicklich mit Leben, sobald ein Mensch ihn betritt. Jeden Menschen umgibt dabei eine individuelle, einzigartige Atmosphäre. Sobald zwei oder mehr Menschen im Raum sind, beginnt sich eine Gruppenatmosphäre zu bilden. Eine unmittelbare, vielschichtige und mehrdeutige Kommunikation findet statt, auch dann, wenn niemand etwas sagt. Eine unermessliche Zahl von Eindrücken strömt auf die Sinne ein, und die Menschen beginnen, auf unterschiedliche Weise damit umzugehen. Empfindungen, Gedanken, Gefühle und Handlungsimpulse tauchen auf und ziehen vorüber.

Das menschliche Bewusstsein ist so organisiert, dass die Welt ihm als in Subjekt und Objekt getrennt erscheint. Dabei ähnelt es der Grundstruktur des Theaters, also dem, was jenseits von Stilen, Methoden, Inszenierungskonzepten und Interaktionsformen mit dem Publikum liegt. Auf der einen Seite „die Bretter, die die Welt bedeuten“, auf der anderen Seite wir selbst, mit dem, was wir wahrnehmen, was uns berührt und in uns anklingt. Das Theater spielt mit dieser Trennung und mitunter schenkt es uns ein Erlebnis von Einheit, Verbundenheit und Ganzheit.

Es fühlt sich an wie eine Art Flow-Zustand, ein bewegliches Balancieren zwischen offener Aufmerksamkeit und neugieriger Gestaltungsaktivität. Diesem Zustand liegt ein Gewahrsein der eigenen Lebendigkeit zugrunde, deren Sinn und Wert gerade darin liegt, dass ich am Leben bin.

Bemerkst du, dass es etwas gibt, das waltet, wenn nichts anderes waltet, und dass du mit diesem in Kontakt kommen kannst – in dir selbst? Hier knüpft die erste Perspektive des Zukunftstheaters an.

Das, was ist, und das, was entsteht, kannst du aus verschiedenen Perspektiven erforschen – eher von außen und in der Reflexion oder auch unmittelbar durch deinen Körper und in der Bewegung.

Dem Neuen oder Fremden, Ungewissen und Unvorhersehbaren begegnest du im Spiel-Raum des Zukunftstheaters, sobald du den Schritt hineinwagst. Jederzeit kannst du in den Schau-Raum zurückkehren und über deine Erlebnisse nachdenken, nachfühlen und sie „verdauen“. Solange, bis dich die Neugier wieder in den Spiel-Raum lockt. Wie das genau abläuft, lässt sich schwer beschreiben und gar nicht vorhersagen. Es ist aber ein spielerisches und einfaches Ausprobieren, für das du keine bestimmten Vorerfahrungen brauchst, auch wenn es manchmal nicht so leicht zu verstehen ist. Es braucht ein bisschen Mut, sich auf die Ungewissheit einzulassen, dafür wirst du jedoch reich belohnt mit einer Fülle an neuen Einsichten und Erfahrungen, und du lernst, wie du live dabei sein kannst, wenn die Zukunft geboren wird – hier und jetzt, von Moment zu Moment, immer wieder aufs Neue.